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Hans-Christian Oeser (Hrsg.): Contemporary Irish Short Stories. Stuttgart (Reclam) 1989. Bibliographisch ergänzte Ausgabe: 2002. Aktualisierte und bibliographisch ergänzte Ausgabe: 2007.

 

Diese Sammlung an irischen Kurzgeschichten ist schon ein wenig betagt, so dass das ‘Contemporary’ im Titel nicht mehr so ganz zutreffend erscheint. Trotzdem ist es zumindest eine gute Ressource, wenn man sich in den Kanon der damaligen irischen Kurzprosa einarbeiten möchte. Dazu wird die Sammlung zunächst von einem kleinen Beitrag zur irischen Literatur im Allgemeinen eingeleitet, gefolgt von einer schulgemäßen Definition der Kurzgeschichte – die ja außerhalb der Schule nicht unbedingt auf die meisten Kurzgeschichten zutreffen muss – und einer gesonderten Betrachtung der irischen Kurzgeschichte – wobei hier eine Definition des Irischseins herangezogen wird, in der sich auch Ende der 80er Jahre vielleicht nicht unbedingt die Mehrheit der Iren wiedergefunden hätte. Wenn sie eventuell aber der Definition an sich – ausschließlich ihrer selbst und aller Iren, die sie persönlich kennen – zugestimmt hätte, wie es das irische Drama 'The Playboy of the Western World' nahelegt.

      Die Sammlung selbst beinhaltet Brian Friels ‚The Illusionists‘, Maeve Kellys ‚Journey Home‘, John McGaherns ‚High Ground‘, John Montagues ‚ An Occasion of Sin‘, Seán Mac Mathúnas ‘Prisoner of the Republic, Ita Dalys ‘The Lady with the Red Shoes’, Dermot Healys ‘The Curse’ und Anne Devlins ‘Five Notes after a Visit.’ Eine Auswahl, die selbst im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts beinahe vollständig von mindestens einem anderen Verlag für eine zeitgenössische Sammlung übernommen worden ist.

      All diese Geschichten sind überaus düster und vergleichsweise humorarm, was ich durchaus nicht mit meiner eigenen Leseerfahrung irischer Literatur verbinde. Bei aller eigener Düsternis ist zum Beispiel Roddy Doyle doch durchaus sehr humorvoll, und auch andere irische Autorinnen und Autoren lassen einen gerne mal mit einem Lächeln am Ende einer Geschichte zurück.

      Also eine ganz gute Ressource, mit Vokabelhilfen und Kurzbiographien der Autorinnen und Autoren am Ende, sowie Veröffentlichungshinweisen zu den Geschichten. Es sollte nur nicht die einzige Ressource sein, wenn man irische Literatur wirklich kennenlernen möchte.

 

(K.-G. Beck-Ewe: BücherTreff.de, 11. März 2020)

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