presse - rezensionen
Hans-Christian Oeser / Jürgen Schneider: James Joyce. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2007
In jeder Biografie ist immer die Gefahr von Spekulationen, Gerüchten und falsch überlieferten Anekdoten aus zweiter Hand gegeben. Die hier vorliegende Biografie ist allerdings schon vom Charakter her als Sachbuch angelegt und hat mit ihrem pädagogischen Aufbau den Anspruch, so wenig wie möglich Sachfremdes zu streuen. Trotzdem ist der Lebenslauf von Joyce mit seinen vielen Stationen sehr spannend geschildert, ohne zur Fiktion zu werden. Die weiteren Kapitel beschäftigen sich mit dem Werk des Autors und seinen Auswirkungen auf verschiedene Bereiche des öffentlichen Lebens und der Kunst, in der Gegenwart und der Vergangenheit.
Das Buch ist sehr gut strukturiert, sehr übersichtlich und für den Interessenten eine kurzweilige und lehrreiche Lektüre. Wenn ganz nebenbei der Wunsch entsteht, sich eines der Werke dieses Ausnahmeautoren vorzunehmen und tiefer drinnen zu graben, als den Klappentext zu lesen, dann könnte es sein, dass es einige Joyce-Fans mehr geben könnte.
(www.lovelybooks.de, 18. Dezember 2006)
Der Name James Joyce ist ein Synonym für den herausragenden englischen Roman des 20. Jahrhunderts. Die Spannung zwischen naturalistischen und symbolistischen Schreibformen, die Darstellung von Bewusstseinsvorgängen durch den inneren Monolog sowie die stilistische Brillanz der verrätselten Sprache â- all dies ergibt, kombiniert mit der Kritik an klerikaler Engstirnigkeit, repressiver Sexualmoral und nationalistischer Beschränktheit, ein unverwechselbares Profil. Joyces Leben, Werk und Wirkung präsentieren Hans-Christian Oeser und Jürgen Schneider in ihrem konzisen und präzisen Buch verständlich und gut lesbar. Weit war der Weg des Iren, der aus einer verarmenden, kinderreichen Kleinbürgerfamilie in Dublin stammte und bis an die Spitze der dichterischen Avantgarde in Paris gelangte. Komplex sind nicht nur die Bezüge in «Ulysses» und «Finnegans Wake», sondern auch jene in Joyces lyrischen und dramatischen Arbeiten. Und immens ist der Nachhall, den der «Vater der Moderne» in Literatur, Musik und bildender Kunst erzeugt hat; zu den Inspirierten zählen Umberto Eco, Paul McCartney und Joseph Beuys. Fotos und Zeichnungen, Zitate aus Briefen und Rezensionen, Zeittafel und Bibliographie ergänzen die Analysen Oesers und Schneiders auf vortreffliche Weise.
(tlm, Neue Zürcher Zeitung, 10. Februar 2007)
Zugegeben, Joyce ist kein leichter Brocken, und eine Biographie, die von allerhand Ortswechseln und dauerhafter Erfolglosigkeit geprägt ist, mag kein allzu anregender Gegenstand sein. Doch etwas mehr Mühe hätten sich Oeser und Schneider hinsichtlich der Lesbarkeit ihres Büchleins schon geben können. Die Unterteilung in Leben, Werk und Wirkung wirkt zuweilen als Zwangskorsett, und die Sprache der Autoren atmet leider häufig den frischen Wind professoraler Syntaxakrobatik.
Schön ist das Layout des Buchs, aber auch da hätte man sich etwas mehr Mut zur offeneren Ästhetik und ein paar weniger Buchstaben pro Seite gewünscht.
Alles in allem: ein fleißiges Stück Arbeit, aber kein guter Einstieg zu James Joyce.
(Hans Zeiler, Amazon-Kundenrezension, 19. Mai 2007)


