top of page

Colin Barrett: Wilde Häuser. Roman. Aus dem Englischen von Claudia Glenewinkel und Hans-Christian Oeser. Göttingen: Steidl, 2025.

Ein Verlag, der sich in den letzten Jahren sehr um zeitgenössische irische Literatur verdient gemacht hat, ist der vor allem für seine aufwändigen Fotobände hoch gelobte Steidl Verlag. Sebastian Barry, Liz Nugent, Claire Keegan, Louise Kennedy, Una Mannion oder Colin Barrett formen einen eindrucksvollen Chor irisch geprägter Stimmen im literarischen Programm des Verlages. Colin Barrett, dessen Geschichtenbände „Junge Wölfe“ und „Heimweh“ bereits in die Welt der Türsteher, Kleinkriminellen und Abgehängten im äußersten Westen Irlands geführt haben, legt nun einen hoch beachteten Roman aus ebendieser Region und Gesellschaftsschicht vor. (...)

      ​Sprachlich findet Barrett zum Teil außergewöhnliche Bilder und überzeugt mit sehr pointierten und lebendigen Dialogen, die auch in Claudia Glenewinkels und Hans-Christian Oesers Übersetzung glänzen. Dass sich die angestaute Spannung letztlich im Showdown nur zum Teil entlädt, mag Krimifans vielleicht enttäuschen – als Stimmungsbild des heutigen ländlichen Irland hingegen funktioniert der Roman perfekt.

(Frank Schorneck, CulturMag, 1. April 2026)

„Wildes Haus“ nennt Sheila English das Haus des von ihr verstoßenen Sohnes Cillian, weil dieser mit seiner weit älteren Freundin darin große Partys mit viel Alkohol und Drogen zu feiern pflegt. Doch nach Eröffnung des Salmon Festivals als wichtigstem Ereignis in Ballina im Westen Irlands ist es Cillians jüngerer Bruder Doll, der nach einem Streit mit seiner Freundin Nicky spurlos verschwindet. Nicht nur Nicky muss nun, um Doll zu retten, eine wichtige Entscheidung treffen ...

      In einer sehr eingängigen Übersetzung ist mit "Wilde Häuser" ein Roman von Colin Barrett erschienen, der ein Beziehungsgeflecht eigenwilliger Noch-Jugendlicher vorstellt, die sich allerdings meist eher durch einen begrenzten Horizont auszeichnen. 

​(Ulrich Karger, Büchernachlese)

„Wilde Häuser“ ist das Romandebüt des irisch-kanadischen Schriftstellers Colin Barrett, doch mitnichten sein erstes Werk. Der Langform gingen zwei Kurzgeschichten-Bände voraus: „Young Skins“ (2013), für den Barrett mehrfach ausgezeichnet wurde, und „Homesickness“ (2022). Ihre deutsche Übersetzung erschien – wie das aktuelle Werk – jeweils in hochwertigem Leineneinband im Steidl Verlag. Meisterhaft übersetzt wurden die Texte von Hans-Christian Oeser und, im Falle des Romans, auch von Claudia Glenewinkel. Sie machen das Lesevergnügen für ein deutschsprachiges Publikum erst möglich.

      Und dieses Vergnügen hat es in sich: Man merkt dem Roman an, dass hier jemand schreibt, der sein Handwerk meisterhaft versteht und nicht nur mithilfe der kurzen Form ein unbeirrbares Gespür für das pacing, das Setzen des richtigen Tempos, entwickelt hat, sondern auch präzise einzuschätzen weiß, welche Story-Elemente an welcher Stelle auserzählt gehören oder welche Leerstellen der Erzählung zuträglich sind. Barrett macht sich das fragile Gleichgewicht zwischen dem Abrunden einer Episode und dem Offenlassen von Einzelheiten zunutze, um Spannung zu erzeugen und dort Literarizität und Komplexität zu schaffen, wo andere, weniger virtuose Autor*innen in die Banalität abgeglitten wären.

(Chris Lauer, Woxx. déi aner Wochenzeitung, 19. Juni 2026)

presse - rezensionen

Barrett_Wilde_Cov_RGB.jpg.png
bottom of page