presse

Sebastian Barry: Tage ohne Ende. Roman. Aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser. Göttingen: Steidl, 2018.

Der Übersetzer Hans Christian Oeser hat auch für die deutsche Fassung eine hervorragende Sprachmelodie gefunden. Auch hier sind es die Worte eines einfachen Mannes mit oftmals verkürzten Wörtern, die ebenfalls poetisch aufgeladen sind. Nie wirkt die deutsche Fassung bemüht oder aufgesetzt. Sebastian Barry ist ein mehrfach preisgekrönter Autor und stand u. a. auf der Shortlist des Booker Literaturpreises. Barry ist Ire und tatsächlich ist »Tage ohne Ende« der Lebensbericht eines Iren in den USA, als diese noch nicht U waren. Thomas McNulty ist wahrlich kein Held, sondern ein Söldner, der fast 20 Jahre später in Frauenkleidern neben seinem geliebten John Cole sitzt. Ein wahrlich bewegtes Leben, dem man als Leserin und Leser gebannt folgt, da McNulty immer mittendrin ist, in all den schrecklichen Geschehnissen, und dennoch als Erzähler und Chronist in einer sachlichen Distanz bleibt, noch dazu mit einer beeindruckenden Sprache, die Sebastian Barry und die Hans-Christian Oeser gefunden haben. Ein Western, der alles andere und doch ein beeindruckender Western ist.

 

(Wolfgang Tischer, literaturcafé.de, 14. September 2018)

Das Erkenntnishafte des Erzählens hat freilich auch eine ästhetische Qualität. Als McNulty einmal über seine Schauspielerei als Tanzmädchen und später als Frau in einer Minstrel Show nachsinnt, begreift er, dass »Schauspielerei kein listiger Betrug« ist, sondern »vielmehr eigentümliche Magie, die die Dinge verwandelt«. Und genauso ist es mit der Literatur: Mit der »Magie« seiner Sprache »verwandelt« Sebastian Barry ein scheinbar ausgereiztes Thema – Indianerkriege und Amerikanischer Bürgerkrieg – in ein Sprachkunstwerk, in ein »flimmerndes Inbild der Schönheit«, als das der mädchenhaft tanzende Thomas McNulty einmal bezeichnet
wird. Die betörende sprachliche Schönheit dieses Romans bewirkt zudem, dass all das grausame Morden und Schänden, das in ihm geschildert wird, weder effektvoll aufgebläht noch verharmlost wird.
Vielmehr gelingt es dieser Sprache, das Barbarische daran noch deutlicher spürbar zu machen.

      Dass auch der deutsche Leser die stilistischen Qualitäten von Sebastian Barry und den rohen Charme der irischen Vulgärsprache
goutieren kann, ist der sprachgewaltigen und beseelten Übertragung von Hans-Christian Oeser zu verdanken. Beides, Roman und Übersetzung, sind meisterhaft!

(Thomas Plaul, Lesart 3/18, S. 81)


"In Amerika wird alles Schlechte erschossen … und alles Gute auch“ – John Cole, Thomas‘ schöner Geliebter, weiß ebenso wie er, wie wenig Chancen das Land der großen Möglichkeiten wirklich bereit hält. Doch in seinem vierten, von Hans-Christian Oeser wunderbar übersetzten Roman um seinen irischen Simplicissimus setzt Sebastian Barry auch der Zähigkeit der sogenannten 'kleinen Leute' ein Denkmal, ihrem illusionslosen Kampf um Würde, um Zuneigung, in einem tief gespaltenen, gesetzlosen Land, in dem Hass und Gewalt spuken. Und die Liebesgeschichte der beiden Männer verhindert, dass jemals Bitterkeit obsiegt: “John Cole. Ist wie Nahrung. Brot der Erde. Das Lampenlicht berührt seine Augen, und ein anderes Licht antwortet.“


(Lore Kleinert, Neue Buchtipps)

Sebastian Barry erzählt das alles als modernen Western aus vergangener Zeit. Hans-Christian Oeser hat das Buch fabelhaft übersetzt und den Ton des Icherzählers wunderbar getroffen. Die Protagonisten sind einfache Menschen voller Kraft zum Überleben in todbringenden Zeiten, voller menschlicher Empfindungen für alle Hautfarben, voller Liebe füreinander. So sprechen sie auch. Der Rassismus des Südens ist längst nicht vorbei, der Kampf um gleiche Rechte geht immer weiter, die Schuld der weißen Mehrheit wächst. Alle Gewalt und alles Töten bringen aber den natürlichen Humanismus der drei nicht um. Und manchmal sagen sie wunderbare Sätze: „Unterdessen sagt John Cole, er liebt mich mehr, als je ein Mann geliebt hat, seit Menschenaffen umhergestreift sind. Im Grand Rapids Courier ist davon die Rede, dass der Mensch früher mal ein Affe war, was ihn, sagt John Cole, nicht überrascht, wenn man bedenkt.“ Stimmt! Wenn man bedenkt …

(Harald Loch, Faces of Books)

Ein Western! Wer liest denn noch so etwas? Ist das nicht viel eher Stoff für Groschen-Romane? Doch Sebastian Barrys „Tage ohne Ende“ ist weit entfernt von jeder Wildwest-Romantik. Sein von Hans-Christian Oeser herausragend übersetzter Roman stellt quasi auf jeder Seite die Frage nach dem amerikanischen Traum, nach dem Gründungsmythos der USA.
 

(Frank Pommer, Die Rheinpfalz, 12. Oktober 2018)

Und was für eine Sprache findet Sebastian Barry für seinen Ich-Erzähler? Ja, und welche sein Übersetzer Hans-Christian Oeser, muß man gleich dazufragen und -sagen, weil der macht seine Sache wirklich ganz wunderbar. Es ist ein aufgerauhter, schon manchmal auch ein bißchen ungehobelter Klang. Man hört diesem Mann aber auch an, diesem Thomas McNulty, daß er eine gewisse Schulbildung hat. Er hat viel Furchtbares gesehen, das ins Herz trifft, das aber auch abgewehrt werden muß natürlich mit Lakonie, mit so einem Schulterzucken, aber er wird nie zynisch dabei. Und es ist Umgangssprache, und sie ist immer ganz, ganz nah am Gegenstand und zugleich von ganz feiner Poesie.

(Ruth Fühner, Hessischer Rundfunk,18. Oktober 2018)

Diese drei Menschen sind einander alles, und für ihr stets bedrohtes Glück findet der Autor die scheuesten und zärtlichsten Worte. Der Übersetzer Hans-Christian Oeser, der wie Barry selbst in Irland lebt, bringt sie in ein unverbrauchtes und berührendes Deutsch. 

(Daniela Pogade, Berliner Zeitung, 12. November 2018)

Barrys Roman ist überbordend und ausufernd, wild, romantisch und Grenzen sprengend, der Autor, der über eine Fülle an Details verfügt, muss eine große Freude und Freiheit beim Verfassen dieses Buches gespürt haben. Das wird auch in Hans-Christian Oesers Übersetzung spürbar, die die ganz besonderen sprachlichen Fähigkeiten Barrys famos transportiert. Die dreiundzwanzig Kapitel dieses an Überraschungen reichen Buches entwickeln allerdings keinen dauerhaften Erzählstrom, zu bildhaft und lyrisch sind manche Passagen, zu viele Vergleiche und Metaphern bremsen den erwartungsfrohen Leser ein ums andere Mal. Möglicherweise wäre hier weniger mehr gewesen. Trotzdem: Tage ohne Ende ist ein außergewöhnliches Werk, dessen thematische Vielfalt und sprachliche Meisterschaft lange nachwirken und das eine der verrücktesten Liebesgeschichten der Literatur zu bieten hat.

(Martin Gaiser, literaturkritik.de, November 2018)

Wild, düster, romantisch – mit Tage ohne Ende ist Sebastian Barry wirklich ein großartiger Frontier-Roman gelungen, und auch die geniale Übersetzung von Hans-Christian Oeser kann nicht genug gelobt werden. Dieser so noch nie gelesene, schnoddrige Ton, in dem Thomas McNulty sein Leben erzählt. Angefangen mit der Flucht vor der Irish potato famine, seiner Karriere als Tanzmädchen in einem Saloon für Bergarbeiter und nicht endend mit den Abenteuern, die er nach seinem Eintritt in die U.S.-Armee erlebte. Aber auch das Grauen der Feldzüge gegen die Indianer und des amerikanischen Bürgerkriegs, und immer an seiner Seite sein Gefährte John Cole. Ein unerhörtes und (entbehrungs-)reiches Leben im „Wilden Westen“, erzählt mit großer Souveränität.

(prolibri Buchladen, Mönchengladbach und Odenkirchen)

Und so kann aus einem Text gleich einem rastlosen Ritt im Fieberwahn, einem Buch über die Schrecken und die Dunkelheit des Krieges, des Brandschatzens und Mordens eine Ode an das Leben werden.

      Sebastian Barrys Roman „Tage ohne Ende“ ist eine solche. Und ein hinreißender Beleg, was Sprache vermag, Bilder, Vergleiche, ein Rhythmus. Der reißt einen mit wie auf Sturzfahrt im nußschalengroßen Boot Wasserschnellen hinunter. Man will hindurcheilen, der Handlung folgen und hält doch immer wieder inne, um dem Sprachgesang zu lauschen, sich an einer Formulierung zu ergötzen.

(Beate Lemcke, irish-berlin,de)

Western? Ist das nicht ein mausetotes Genre? Leblos wie eine Geisterstadt nach dem Goldrausch? Nichts da. Der Ire Sebastian Barry erzählt im Roman „Tage ohne Ende“ (Steidl, 22 Euro) die wilde, wunderschöne Geschichte des 17-jährigen Thomas McNulty und seines Freundes John Cole im 19. Jahrhundert. Beide arbeiten als „Tanzmädchen“ in Saloons, als Kanonenfutter im Krieg, erleben Massaker an Indianern und Momente des Glücks in einer gewalttätigen Welt. Ein brillanter, rauschhafter Monolog – fantastisch übersetzt von Hans-Christian Oeser.

(Imre Grimm, Kieler Nachrichten, 6. Dezember 2018)

Einmal müssen wir noch den Übersetzer nennen. Wir neigen ja immer dazu, die Übersetzer vergessen. Also, das ist Hans-Christian Oeser, der wirklich ein Riesenlob verdient. Ich hab dann auch angefangen, weil ich so begeistert war, ins englische Original zu gucken, und das ist schon, also, ich finde es fast auf deutsch noch toller. Das ist wirklich unglaublich, welche Sprache er da findet.

(Thea Dorn, Das Literarische Quartett, ZDF, 7. Dezember 2018)

Das Literarische Quartett: Dank an Dorn

Plötzlich ist eine ältere Buchbesprechung vom September der am häufigsten aufgerufene Beitrag im literaturcafe.de. »Tage ohne Ende« von Sebastian Barry ist ein Meisterwerk, aber anscheinend hat es niemand bemerkt. Bis jetzt, denn jetzt kam das Literarische Quartett.

Die Leiden des Literaturkritikers

Ich muss zunächst von meinen Leiden erzählen, den Leiden des Literaturkritikers und Betreibers einer literarischen Website. Da gibt es diese Bestseller, die irgendwie alle gut finden und die ohne Frage gut sind. Zum Beispiel derzeit Dörte Hansens »Mittagsstunde« oder Robert Seethalers »Feld«. Bestseller lese ich nicht allzu oft. Machen ja andere schon. Doch wenn man dennoch mal eine Buchkritik über einen Bestseller schreibt – dann zählt der Beitrag immer zu den am häufigsten abgerufenen im literaturcafe.de. So wie Bestseller Bestseller bleiben, weil sich alle an den Listen orientieren, lesen offenbar die meisten Leute am liebsten Kritiken zu Büchern, über die ohnehin schon alle wohlwollend sprechen. Man könnte es sich daher einfach machen, wenn man nach Klicks giert und ausschließlich Bücher besprechen, die jeder kennt.

      Und dann gibt es solche Bücher wie »Tage ohne Ende«. Bereits im Juli oder August hatte mir der Steidl Verlag das Leseexemplar zugeschickt. Offenbar ein Western, aber eben beim literarischen Steidl Verlag erschienen. Ich habe das Buch mit Begeisterung gelesen. Wie darin der irische Autor Sebastian Barry über die »Eroberung« Amerikas schreibt, über das brutale Gemetzel an den Indianern und zwischen den Armeen der Nord- und Südstaaten, wie er die Lebensgeschichte zweier Männer beschreibt, bei der aus Freundschaft Liebe wird, das ist im höchsten Maße beeindruckend, erschreckend und berührend. Nicht minder beeindruckend ist, wie Hans-Christian Oeser die einfache dialektgefärbte Sprache des Originals ins Deutsche übertragen hat.

Nix passiert und keinen interessiert’s

In solchen Momenten ist man sprachlos und denkt, dass das das Buch ist, von dem alle demnächst reden werden. Und bevor das alle machen, schreibe ich eine Buchkritik, um dazu beizutragen, dass alle darüber reden werden.

      Und was passiert? Nix.

      Nicht mal der Verlag hat sich bei mir zurückgemeldet, als ich ihm den Beleglink schickte. [Nachtrag: Der Steidl Verlag hat sich nun sofort und sehr freundlich gemeldet. Irgendwie ist damals die Mail leider nicht angekommen.]

      Und auch in den Feuilletons tauchte »Tage ohne Ende« nicht auf. Niemand schien das Buch zu interessieren, niemand schien dieses gewaltige Werk wahrzunehmen, das seitenzahlmäßig gar nicht so gewaltig ist.

      Da packt einen wieder dieser Frust: Du schreibst über ein gutes Buch, über das alle sprechen, dass es gut ist, und jeder liest’s. Und dann entdeckst du ein Buch, das dich umhaut, dem du Aufmerksamkeit wünscht, das du lobst, von dem du sagst, dass man es lesen sollte, weil es einfach bewegend und mitreißend ist, du verwendest viel Zeit auf die Besprechung – und keinen interessiert‘s.

      Doch dann plötzlich muss etwas passiert sein, da die Besprechung drei Monate später auf einmal an die Spitze der am häufigsten abgerufenen Beiträge des literaturcafe.de wandert. Was war los?

      Ich hatte das Literarische Quartett an diesem Freitag versäumt. Ich hatte es nicht nur nicht gesehen, mir war gar nicht bewusst, dass es gesendet wurde. Kann passieren. Bis dann am Sonntag eine ältere Quartett-Besprechung ebenfalls in die Top-Beiträge wanderte. Ein eindeutiges Indiz auf die Ausstrahlung einer neuen Folge, da dies immer passiert, wenn eine Sendung ausgestrahlt wurde.

      Da war mir plötzlich klar, »der Barry« musste im Literarischen Quartett besprochen worden sein. Die Sendung läuft spät, die Sendung hat kaum noch Einfluss auf die Bestsellerlisten, doch auf die Abrufzahlen des literaturcafe.de wirkt sie sich offenbar dennoch aus. Zumindest dann, wenn man offenbar nahezu der einzige ist, der zum Buch bereits eine Kritik geschrieben hat. (Nach dem Schreiben dieses Satzes warte ich förmlich auf die Flut der Kommentare mit Link und einem »Ich habe das Buch aber auch schon besprochen!«)

Das literaturcafe.de ist nicht das ZDF

Trotz relativer Bekanntheit ist das literaturcafe.de eben doch nicht das ZDF, FAZ oder ZEIT. Doch selbst dort versickern manche Literaturkritiken.

      Sebastian Barry wurde vom Quartett gelobt, von allen Vieren der Runde. Als erster Gast war der Schauspieler Ulrich Matthes diesmal zum zweiten Mal dabei. Beim ersten Besuch diskutierte er lebhafter und eloquenter als die Stammbesetzung und konnte auch als Literaturkritiker überzeugen. Vielleicht fühlte er sich daher in seinem Stuhl diesmal etwas zu wohl, sodass er ein wenig zu sehr »Overacting« betrieb und sich gelegentlich zu sehr in der Rolle des Literaturkritikers gefiel.

      Vielleicht lag es an Matthes‘ Auftreten – allein schon, dass man sich diesmal auch vor der Kamera ausgiebig duzte war neu –, dass das Quartett diesmal zu sehr in das Mein-Buch-gegen-dein-Buch-Gehabe verfiel und Gegenaussagen statt Gegenargumente in den Raum gerufen wurden, bisweilen etwas durcheinander, sodass selbst Weidermann theatralisch im Sessel herunterrutschte. Waren sich die Kritiker einig, wie beim Buch von Hilmar Klute und noch viel mehr bei Sebastian Barry, so war das nicht weiter störend, doch bei der Diskussion um die Werke von Marina Stepanova und Minna Rytisalo wurden nur vehement gegenteilige Empfindungen ins Foyer des Berliner Ensemble gestellt. Da stand nur Gut gegen Schlecht, und es fehlte der erörternde, abwägende literarische Diskurs, der einem als Zuhörer mehr Einblick gegeben hätte.

      Auf das Buch mit dem feinen Titel »Was dann nachher so schön fliegt« von Hilmar Klute wurde man neugierig, doch irgendwie nervt es auch, dass Schriftsteller viel zu oft Schriftsteller zur Hauptfigur ihrer Romane machen und man den Eindruck gewinnt, dass allein das die Aufmerksamkeit der Kritiker garantiert.

Dem Vergessen des Buchmarktes entrissen

Interessant ist vorab immer wieder das Spiel, sich die Buchliste anzusehen und versuchen zu erraten, wer welchen Titel ausgewählt hat. Oftmals gelingt das nur bei Christine Westermann.

      Den Barry hat Thea Dorn ausgesucht. Ich hätte das auch Matthes zugetraut. So bleibt mir hier am Schluss nur, Thea Dorn zu danken, dass sie »Tage ohne Ende« dem zu schnellen Vergessen des Buchmarktes entrissen hat und das Buch hoffentlich jetzt die Aufmerksamkeit bekommt, die das Werk, der Autor und nicht zuletzt der Übersetzer verdient haben.

(Wolfgang Tischer, literaturcafé.de, 9. Dezember 2018)

Eine spannende, erschreckende, aber auch berührende Geschichte, die der irische Autor in "Tage ohne Ende" erzählt, und das mit einem erzählerischen Antrieb und einer Sprache, die den Roman zu einem buchstäblich ausgezeichneten machen. Der Ich-Erzähler Thomas McNulty weiß nämlich, dass sein Lebensbericht ungenau ist und das Gedächtnis, wie er einmal bekennt, ein "hemmungsloser Lügner". Doch er weiß auch, dass seine Geschichte und die große Geschichte dahinter der Welt verloren gingen und sich an ihnen nichts mehr verstehen ließe, wenn er sie nicht erzählen würde. Das Erkenntnisharte des Erzählens hat bei Sebastian Barry freilich auch eine ästhetische Dimension. Als McNulty einmal über seine Schauspielerei als Tanzmädchen nachsinnt, begreift er, dass der Schauspielerei eine eigentümliche Magie innewohnt, die die Dinge verwandelt. Und genauso ist es mit der Literatur Barrys. Mit der Magie seiner Sprache verwandelt der irische Autor ein scheinbar ausgereiztes Thema - Indianerkriege und amerikanischer Bürgerkrieg - in ein schillerndes Sprachkunstwerk, dem es auch gelingt, das bestialische Schänden und Morden, von dem es erzählt, weder effektvoll aufzublähen noch herunterzuspielen und zwischen all dem Barbarischen auch dem zarten Pflänzchen Menschlichkeit einen Platz einzuräumen. Dass auch der deutschsprachige Leser diesem hohen Charme der irischen Vulgärsprache, die bereits amerikanische Färbung angenommen hat, goutieren kann, ist der einfühlsamen und außerordentlich sprachgewaltigen Übertragung von Hans-Christian Oeser zu verdanken. Beides, Roman und Übersetzung, sind meisterhaft.

(Thomas Plaul, BücherLese, sr2, 12. Dezember 2018)

Das vierte Buch von Sebastian Barry, das der Steidl Verlag vom Irland-Experten Hans Christian Oeser ins Deutsche übertragen ließ, wird hoffentlich ein großes Publikum erreichen, denn es ist ein sprachgewaltiges Meisterwerk über Liebe, Schönheit und Krieg. Über das, was Hunger aus Menschen macht und wonach sie sich sehnen.

(Thomas Bille, Mitteldeutscher Rundfunk, 18. Dezember 2018)

Das klingt so lässig und schräg, so verludert , erschreckend brutal und zärtlich zugleich, wie man das kaum gehört hat. Irgendwas zwischen Huckleberry Finn und Hemingway. An diesem Ton hat der Übersetzer Hans-Christian Oeser großen Anteil. "Tage ohne Ende" ist das vierte Buch von Barry, das er ins Deutsche holt. 

(Karin Großmann, Sächsische Zeitung, Dezember 2018)

Dieses Buch ist kein Western im engeren Sinne. Es spielt in den 60ern des vorvorigen Jahrhunderts, im typischen Klischee zwischen Indianeraufstand und Bürgerkrieg. Im Kern ist es aber ein Buch um Fragen von Moral, Werten und wie man sie in schwierigen Zeiten bewahrt. Es ist erfrischend geschrieben und wahnsinnig toll übersetzt. In vielen Rezensionen (vor allem von blaualternativen Lesern) wird die Liebesbeziehung der bei beiden Protagonisten in den Vordergrund gerückt. Dies habe ich so nicht empfunden, die Beziehung ist nur ein Teil der Handlung, aber sehr nachvollziehbar beschrieben. Auf Grund der vielfältigen Handlung, des inneren moralischen Kompasses und der tollen Übersetzung mein Buch des Jahres 2018.

(S. Sholes, Amazon-Kundenrezension, 1. Januar 2019)

All das erzählt Barry mit harten Worten, oft nur in Halbsätzen, gefolgt von unfassbar lyrischen Passagen. Sein Buch liest sich wie ein gesprochener Bericht, es wird viel geflucht, „gottverdammt“ ist ein Standardwort, drastisch werden die Abscheulichkeiten des Indianer-Abschlachtens dargestellt, oder später Szenen im Feldlazarett, dann wieder sieht Tom eine Abenddämmerung, als „zieht Gott langsam ein zerfetztes schwarzes Tuch über seiner Hände Werk.“ Dass sich einem dies auch auf Deutsch erschließt, liegt an der gelungenen Übersetzung von Hans-Christian Oeser, der es verstanden hat, Slang, Schrecken und Schönheit perfekt zu übertragen.

(Michaela Mottinger, Mottingers-Meinung.at, 10. Januar 2019)

Die Übersetzung von Hans-Christian Oeser schafft es, den einfachen Stil eines einfachen Erzählers konsequent durchzuhalten.

(arcimboldis world, 20. Januar 2019)

Sebastian Barry erzählt die mitreißende Geschichte eines offen schwulen Lebens im Wilden Westen, kongenial übersetzt von Hans-Christian Oeser.

(Buchladen in der Osterstraße, Lesefutter)

Es ist die Stärke dieses Buches, dass es das Übelste, was Menschen anderen Menschen antun können, in einer ganz besonderen Sprache benennt: nüchtern, ohne Voyeurismus zu wecken, direkt, ohne in eine Abenteuer- und Wildwest-Geschichte abzugleiten, in oft einfachen Worten, die durch ihre Einfachheit erst so richtig berühren. Hans-Christian Oeser hat dafür in seiner Übersetzung die passenden Worte, den richtigen Ton getroffen.

(Sätze & Schätze, 27. Januar 2019)

Der 1955 in Dublin geborene Sebastian Barry gehört nach Ansicht der Literaturkritik zu den besten britischen und irischen Autoren der Gegenwart, obwohl er bei uns noch nicht so bekannt ist. Er schreibt neben Theaterstücken Prosa und Lyrik. Seine Romane wurden mit dem Costa Book of the Year Award ausgezeichnet und befanden sich auch auf der Shortlist für den Booker Prize. Mit seinem von Hans-Christian Oeser kongenial in einer Mischung von grobem und feinem Western-Dialekt übersetzten großartigen Roman „Tage ohne Ende“ wird er auch bei uns viele Leser finden.

(Carl-Heinrich Bock, Amazon-Kundenrezension, 29. Januar 2019)

"Tage ohne Ende" von Sebastian Barry wurde im Original mit dem Costa Book Award sowie dem Walter Scott-Preis für historische Romane ausgezeichnet. Und die glänzende Übersetzung von Hans-Christian Oeser macht schnell deutlich, warum. Thomas McNulty erzählt nicht nur die Geschichte seines Lebens und seiner Lieben, sondern vermittelt damit zugleich amerikanische Geschichte von unten aus der Sicht eines eingewanderten Iren. Und zwar so, als wären seine Worte frisch aus dem Mund in Druck gegangen, ohne deshalb durchgängig in den Formulierungen ungeschliffen zu sein - im Gegenteil: immer wieder findet sich dicht gepackte Weisheit, Poesie und nicht zuletzt ein subtiler Witz, der dem allgegenwärtigen Wahnsinn zu trotzen sucht.

(Ulrich Karger, Büchernachlese)

 

Es ist diese ständige Drohung, zum Gespenst zu werden, die den Roman so erschütternd macht. Mit genauem Blick zeichnet der Scharfschütze McNulty die verstörende Schönheit und Schrecklichkeit der amerikanischen Weite auf, die vielen grausamen und wenigen guten Taten des kleinen Trupps. Doch das Echo, das aus seinem Inneren zurückhallt, klingt hölzern und tonlos. Es ist, als höre der Erzähler sich selbst nicht zu; als sehe er, doch verstehe nicht, als stünden ihm nur anderer Leute Worte zur Verfügung. Der Leser muss versuchen, diese Lücke zwischen aufwühlendem Geschehen und Plauderton zu schließen, ihren Ursprung zu finden und nach dem wahren McNulty zu suchen.

      Die Sprache spielt dabei eine Schlüsselrolle. Barry ist es gelungen, dem ungefügen, armen Ton eines unbedarften, von Kälte und Trauer zerschlissenen 20-Jährigen einen unerwarteten sinnlichen Reichtum zu geben: "Einer der Gegner hat's fast bis zum Haus geschafft, doch jetzt liegt er tot mit ausgebreiteten Armen da, und ein andrer weiter hinten ist zu Boden gegangen und nur noch ein schwarzer Pinselstrich auf dem Frost. Der gefallene Regen ist am Boden gefroren, und das ist die Geschichte, die er erzählt." Hans-Christian Oeser transportiert diese Kunstsprache überzeugend ins Deutsche.

(Jörg Häntzschel, Süddeutsche Zeitung, 17. Februar 2019)

Tage ohne Ende. Ein langer, langer Weg. Die hervorragende Übersetzung beider Bücher hat Hans-Christian Oeser besorgt.

(Tany Lieske, Büchermarkt, Deutschlandfunk, 25. Februar 2019)

Sebastian Barry und sein phänomenaler Übersetzer Hans-Christian Oeser haben mich sehr glücklich gemacht. So etwas habe ich seit Monaten nicht gelesen. Ganz großes Kino! Quatsch! Ganz große Literatur!

(Alexander Weidel, http://www.instgram.org/p/BvWTDKlFmZ6)

Der zuletzt mit dem Rowohlt-Preis ausgezeichnete Übersetzer Hans-Christian Oeser liefert diesen neuesten Roman des vielfach preisgekrönten Autors auf glänzende, hervorragende Weise. Der Ton des Ich-Erzählers Tom McNulty, seine naive, aber gutherzige Art kommt in der Übertragung genau herüber. Jeder, der das Buch auf Englisch und Deutsch liest, wird es bestätigen. Es gelingt Oeser sogar, Barrys rhythmischen irischen Singsang ins Deutsche zu bringen, kein geringes Unterfangen. Original und Übersetzung sind Höchstleistungen ersten Grades. Barrys Erzählen ist Zauber. 

(Irmgard Hunt, TRANS/LIT2, Bd. XXV, Nr. 1, Frühjahr 2019)

This site was designed with the
.com
website builder. Create your website today.
Start Now