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Dirk Bruns

 

Übersetzen als Kunst und Arbeit

 

Der Übersetzer und Rowohlt-Preisträger Hans-Christian Oeser besucht die angehenden Buchhändler am OSZ Handel

„In jedem Buch steckt eine neu geschaute Welt, die uns bereichern kann.“ Anschaulich schildert der Übersetzer Hans-Christian Oeser den Auszubildenden im Buchhandel von der Notwendigkeit, sich beim Übersetzen in jedes Buch neu einzufühlen, in dieser neuen Seelenlandschaft zu leben und den Ton des Werkes einzufangen.

      Hans-Christian Oeser, der nach seinem Studium in Berlin 29 Jahre in Dublin lebte, hat mittlerweile weit über hundert Bücher übersetzt, darunter Werke von Arthur Conan Doyle, Oscar Wilde und D.H. Lawrence. Vor allem hat er jedoch moderne englische und irische Autoren wie Anne Enright, Ian McEwan und Maeve Brennan den deutschsprachigen Lesern zugänglich gemacht. Für sein „übersetzerisches Lebenswerk“ wurde er erst kürzlich bei der Frankfurter Buchmesse 2010 mit dem Rowohlt-Preis geehrt.

      „Jede Sprache ist auf eine eigene Art ungenügend. Warum heißt es im Englischen ´fallen in love´? Warum im Deutschen „verliebt“, wo doch die Vorsilbe „ver“ eine eher negative Konnotation hat?“ In seinem Vortrag erstaunt Oeser seine Zuhörer aus den Klassen 2841 und 2941 immer wieder. Allerdings macht er auch deutlich, dass der Beruf des Übersetzers  harte Arbeit ist. Etwa 150 Seiten muss man im Monat übersetzen, um davon leben zu können.

      Im zweiten Teil wurden dann bei der Betrachtung von Romananfängen die konkreten Schwierigkeiten einer angemessenen Übersetzung deutlich. Da der Anfang bereits Hinweise auf das, was folgt, enthält, muss man das ganze Werk durchdrungen haben, um die ersten Sätze passend übertragen zu können. Die Auszubildenden bemühten sich selbst intensiv um die adäquate Übersetzung einiger Romananfänge und merkten dabei, wie viele Entscheidungen ständig zu treffen sind. Ist z. B. in diesem Kontext „quiet“ als ruhig, still, leise oder friedlich zu übersetzen? Wie soll die Satzstellung sein? Usw.

      Hans-Christian Oeser berichtete auch von seiner Arbeit als Vorstandsmitglied des PEN- Zentrums, zu dem so berühmte Schriftsteller wie Brecht, Musil, H. und Th. Mann und Stefan Zweig gehörten. Wichtig sind vor allem die Solidaritätsaktionen für verfolgte Schriftsteller.

      An der intensiven Mitarbeit beim Übersetzen und den vielen Fragen nach dem Kontakt mit den Autoren, Hilfsmitteln, dem Lieblingsautor und nach der Übersetzung von Lyrik usw. wurde das rege Interesse der Zuhörer an dem Thema deutlich.

 

(1. März 2011)

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