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Christopher Isherwood: Die Welt am Abend. Roman. Aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser. Hamburg: Hoffmann & Campe, 2019.

Meisterhafte Eleganz. In Deutschland ist er vor allem seines autobiografischen Romans "Leb wohl, Berlin" wegen bekannt, in dem er seine Erfahrungen im nationalsozialistischen Land verarbeitete. Das Musical "Cabaret" enstand aus diesem und anderen Stoffen. Später, bis zum Lebensende, lebte der britische Autor Christopher Isherwood in Kalifornien. Hier entstand in den 50ern sein Roman "Die Welt am Abend", ein elegantes Buch über Glanz und Glamour und die Unzuverlässigkeit der Liebe, erstmals in deutscher Übersetzung erschienen. Eine verlegerische Großtat.

(Dresdner Morgenpost am Sonntag, 11. August 2019)

Der Roman Die Welt am Abend von Christopher Isherwood von 1954 erscheint jetzt zum ersten Mal auf Deutsch – erstaunlich. Denn der Brite Isherwood, geboren 1904, war 1929 in die deutsche Hauptstadt gezogen und hat später mit Leb wohl, Berlin und seinem Sammelband The Berlin Stories zwei Literaturklassiker geschrieben. Erstaunlich ist das späte Erscheinen in Deutschland auch, weil Tom Ford Christopher Isherwoods Roman A Single Man auch schon vor zehn Jahren verfilmt und damit das Werk einer jüngeren Generation bekannt gemacht hat. Die Welt am Abend jedenfalls liest sich in der Übersetzung von Hans-Christian Oeser sehr gut auf Deutsch, inklusive jener berühmten Passage, in der Übersetzung ab Seite 142, die so wichtig war für Susan Sontags Essay-Band Notes On Camp. In Isherwoods Roman, schreibt Sontag, taucht der Begriff Camp zum ersten Mal überhaupt in der Literaturgeschichte auf.


(Christoph Amend, ZEITmagazin online, 14. August 2019)

Das oft changierende Spiel der Geschlechter war eins von Christopher Isherwoods Lebensthemen, die eigene Homosexualität hat er offensiv gelebt. Und er war ein politisch hellwacher Mensch, der die Schrecken der Nazizeit früh erahnte, wie sein autobiographischer Roman „Leb wohl, Berlin“ zeigt, die Vorlage für das 30er Jahre-Musical „Cabaret“. Themen, die er auch in „Die Welt am Abend“ aufgreift, diesem klugen, sensiblen, souverän erzählten Roman über verstörte Menschen in einer verstörenden Zeit: "Ohne ihre Neonlichter wirkte die Stadt grimmiger denn je, und im feuchten Mittwinternebel nahmen sich die hohen Gebäude im Zentrum wie hochgestellte Särge aus. Die Straßen wimmelten von betrunkenen Matrosen und Soldaten; Hunderte von benommenen, entwurzelten Burschen, die sich, während sie darauf warteten, in den Krieg geschickt zu werden, die Zeit vertrieben. Sie waren eine neue, anonyme Rasse, die anwuchs und sich rasch im ganzen Land ausbreitete."

      Im angelsächsischen Sprachbereich ist Christopher Isherwood "Die Welt am Abend" als großer Roman bekannt und geschätzt – fast unbegreiflich, dass er erst jetzt zum ersten Mal ins Deutsche übersetzt wurde: eine wenn auch späte literarische Entdeckung und ohne Abstriche empfehlenswert. Auch durch den Schluss des Romans, der auf Versöhnung setzt, mit anderen, mit sich selbst. Doch nicht mit dem Feind: der Pazifist Stephen Monk zieht in den Krieg - als Fahrer einer zivilen Rettungseinheit in Afrika.

(Jutta Duhm-Heitzmann, WDR3, 16. September 2019)

Würde man dem Autor selbst Glauben schenken, hätte dieses Buch gar nicht übersetzt werden müssen. Christopher Isherwood nannte "Die Welt am Abend", 1954 im Original als "The World in the Evening" erschienen, "meinen schlechtesten Roman" - so steht es in seinem letzten großen Lebensrückblick, der spirituellen Autobiografie "My Guru And His Disciple", erschienen 1980, sechs Jahre vor Isherwoods Tod. Aber, nun ja, kann nicht ein "schlechter" Isherwood-Roman immer noch viel unterhaltsamer, gewitzter und lebensschlauer sein als viele andere Bücher? Sicher kann er das - wie die Erstübersetzung ins Deutsche von Hans-Christian Oeser zeigt.

(Jan Kedves, Süddeutsche Zeitung, 25. September 2019)


Wenn etwas so gezielt Kitsch ist, dass es schon wieder Kunst ist, nennt man es Camp. Als sie diesen Begriff mit ihrem Essay "Notes on Camp" etabliert hat, bezog Susan Sontag ihre Idee aus einer "Zwei-Seiten-Skizze in Christopher Isherwoods 'Welt am Abend'". Zum ersten Mal kann das deutschsprachige Publikum jetzt nachlesen, was es damit auf sich hat. Hans-Christian Oeser hat das 1954 im Original erschienene Buch endlich übersetzt. Es ist ein Roman, dessen Hauptfigur über weite Strecken der Handlung im Bett liegt, der aber trotzdem mehr Wahrheit über Menschen, Schriftsteller und Liebesbeziehungen enthält, als manches Hauptwerk.

(Süddeutsche Zeitung, 15. Oktober 2019)

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