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Jamie O'Neill: Im Meer, zwei Jungen. Roman. Aus dem Englischen

von Hans-Christian Oeser. Frankfurt am Main: Luchterhand, 2002.

 

 

Sprachlich überbordet O'Neills Werk etwas. Da gibt es merkwürdige Dialoge wie: "'Ein Wetter zum Eierlegen, Gott sei's getrommelt.' 'Bärig, dem Herrn sei Dank.'" Mit seinen seltsamen Ausdrücken hat der Autor seinem Übersetzer Hans-Christian Oeser - der auch MacLavertys Buch (Schule der Anatomie) ins Deutsche übertrug - eine schwierige Aufgabe gestellt.

(Renate Dubach, Bonner Zeitung, 12. April 2003)

Und Hans-Christian Oeser gelingt es in seiner großartigen Übersetzung, das Aroma jener altmodisch erscheinenden Redewendungen der Zehner Jahre glaubwürdig mit einer zeitgemäßen Diktion abzuschmecken.


(Thomas Linden, Kölnische Rundschau, 25. Juni 2003)

 

 

Entstanden ist ein historischer Roman voller Aufmerksamkeit für die Komik der Tragödie - wunderbar eingefangen auch vom Übersetzer Hans-Christian Oeser - eine Hommage an Oscar Wilde, die Geschichte einer wahrhaft grenzenlosen Freundschaft und ein Sittengemälde des katholischen Irlands.


(Claudia Seiring, Oranienburger Generalanzeiger, 28./29. Juni 2003)


Hieraus schafft O'Neill ein stilistisch eindrucksvolles Prosawerk - kongenial übersetzt von Hans-Christian Oeser.


(MAKU, Go. Münchner Stadtmagazin, Juni 2003)

 

Wenn ein irischer Autor seinen Roman At Swim, Two Boys nennt, so kann er sich der Aufmerksamkeit vieler gewiss sein. So weckte dieser Roman bei unserem letzten Irland-Aufenthalt bereits unser Interesse - aber 700 Seiten in der Originalsprache, das braucht - seien wir ehrlich - schon ein bisschen mehr Zeit als uns so bleibt. Nun liegt der Roman auf Deutsch vor, und der routinierte Übersetzer Hans-Christian Oeser hat es vermieden, auch im deutschen Titel die Nähe zu Flann O'Brien zu suchen. Und diese Entscheidung ist richtig, denn Freunde der Cruiskeen Lawn werden in diesem 700 Seiten umfassenden Roman wenig finden, was an das Werk des großen irischen Humoristen erinnert. Mit dem englischen Originaltitel im Ohr näherte man sich diesem Buch von einem völlig falschen Winkel her.

      Nichtsdestotrotz hat Jamie O'Neill mit diesem Roman ein außerordentliches Stück irischer Literatur geschaffen. In der Geschichte zweier Jungen, die sich schwören, zum Osterfest 1916 einen kargen Felsen in der Dubliner Bucht zu erschwimmen und dort die irische Fahne zu hissen, spiegelt sich die irische Geschichte jener Zeit. Es ist mehr als eine bloße Freundschaft zwischen den beiden, es ist Liebe, die sie antreibt, die sie verwirrt und die im katholisch geprägten Umfeld für Probleme sorgt. So deutet sich schnell der - neben der irischen Geschichte - weitere Schwerpunkt des Romans an: Die Homosexualität. Schon vor den Jungen merkt der Leser, dass auch der Ordensbruder, der die Jungen unterrichtet, vor unkeuschen Gedanken nicht gefeit ist. Doch unkeusche und revolutionäre Gedanken liegen im Irland der (vorletzten) Jahrhundertwende eng beieinander. Als einer der Protagonisten seine Neigungen andeutet, wird er gefragt: "...willst du mir etwa sagen, du bist einer jener Unsäglichen vom Schlage Oscar Wildes?" "Falls du damit meinst, dass ich Ire bin, lautet die Antwort ja" - ist die ebenso prägnante wie provokante Entgegnung.
      Den Inhalt des Romans mit seinen zahlreichen Nebensträngen hier auch nur annähernd wiedergeben zu wollen, das hieße, sich komplett zu verirren. O'Neill lässt in seinem Roman das alte Irland auferstehen, indem er sich eine Handvoll Charaktere herausgreift und diese vor dem historischen Hintergrund agieren lässt. Die politische Spannung der Zeit wird spürbar und ihre menschlichen Opfer werden jeder Verklärung entrissen, der ein Irland-Urlauber so leicht auf den Leim geht.

      Doch es ist vor allem die Sprache, die an diesem Mammut-Roman überzeugt. Mal ist es der Ton des Bänkelsängers, der den Leser einlullt, dann wieder rauer Gassenjargon, der durch die Hinterhöfe schallt. Es ist eine reine Freude, O'Neills Prosa zu folgen. Doch obwohl ich Oeser als Übersetzer extrem schätze (immerhin hat er McCabes Schlächterburschen oder auch The Dead School kongenial übertragen), so bereue ich es in diesem Moment doch, die Originalausgabe damals nicht gekauft zu haben - so mancher Satz lässt doch nur ahnen, wie er im Original geklungen haben dürfte.

      Was allerdings all jenen, die nicht so vertraut sind mit irischer Geschichte und die auch gerade weder Lexikon noch Reiseführer greifbar haben, eine kleine Hilfe gewesen wäre, das ist ein kleiner Anhang, in dem zumindest ein paar historische Personen und die verschiedenen politischen Gruppierungen hätten vorgestellt werden können.


(Frank Schorneck, titel. Magazin für Literatur und Film, 10. Juli 2003)


Die eigentliche Heldin dieses Romans ist aber seine Sprache. (...) Dass der Sound des Romans, immer wieder aus der dritten Person in innere Monologe der Figuren übergehend, auch auf Deutsch vorzüglich klingt, ist Hans-Christian Oesers makelloser Übersetzung zu verdanken, die mit federleichten Bewegungen durch die Strömungen und Wellen dieses Sprachmeeres gleitet.


(Uwe Pralle, Neue Zürcher Zeitung, 2. September 2003)


Ebensolche (Ehre) gebührt Hans-Christian Oeser, der den Roman großartig übertragen hat. Wo er übersetzt, macht er's klasse - und wo Übersetzen Sünde wäre, lässt er's sein, weshalb manche Passagen im Original zu lesen sind. (Wer die lateinischen bzw. gälischen Zitate nicht selbst übersetzen kann, wende sich damit an einen Priester bzw. begebe sich ins Pub seines Vertrauens; das schadet sowieso nie.


(G. L. J., schnüss, September 2003)

 


O’Neill delektiert sich an vorbildlich komponierten Rhythmen, [...] denen Hans-Christian Oeser in seiner hervorragenden Übersetzung aber glücklicherweise nicht zwanghaft folgt [...].


(Thomas David, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. November 2003)

Das Buch ist ausgezeichnet von Hans-Christian Oeser übersetzt, der die zahllosen Wortspiele und Alliterationen erfindungsreich ins Deutsche gebracht hat. Fazit: Dranbleiben und weiterlesen, das Buch ist stilistisch und auch in Bezug auf die Geschichte ein kleiner Schatz.

(Dörte Eliass, Buchkultur. Das internationale Buchmagazin, H. 87, 2003, S. 34)

Ein so umfangreiches wie großartiges Buch, das ich allmählich erlesen habe, wie man das historische Dublin sich erläuft, die Übersetzung immer wieder goutierend; ein Muß für alle Büchereien!


(Der Evangelische Buchberater, März 2004)

 

Die übersetzung ist auch wirklich nur zu loben, denn das buch ist an redewendungen nicht arm.

 

(male.dei, 3. 11. 2004, http://maledei.ma.funpic.de/)



Daß Hans-Christian Oeser mit der deutschen Übersetzung Großes geleistet hat, bedarf gar nicht erst der Erwähnung; dennoch gibt es mitunter Stellen, welche entweder Zitate sind und ohne Kenntnis der entsprechenden Quellen daher unverständlich bleiben oder aber für den deutschen Leser einer Erläuterung bedurft hätten. Auch verlangen manche gedanklichen Schlüsse, die der Leser ziehen muß, etwas zuviel Aufmerksamkeit ab, als daß man noch von einem angenehmen Leseerlebnis sprechen könnte. Abschließend sei bemerkt, daß der Roman trotz dieser von mir kritisierten Punkte ein Meisterwerk ist - und man daher nicht verstehen kann, weshalb der Verlag (Luchterhand / Random House) so wenig in die Werbung investiert (die Übersetzung mußte gar vom Ireland Literature Exchange, Dublin, gesponsert werden) und nun hier bei Amazon haufenweise Mängelexemplare zu Schleuderpreisen verramscht werden. Eine Schande, die dieses grandiose Buch nun wirklich nicht verdient hat.


(Amazon-Kundenrezension, 9. Septeber 2005)

 

Ein romantisches, trauriges, bewegendes, aufrüttelndes Buch, dem es auch an Komik nicht fehlt; Szenen, dass einem die Tränen kommen und die lange nachwirken, andere, bei denen man laut lacht. Eine ganz eigene Sprache, ein grandioser Übersetzer, der die Sprachmelodie umzusetzen weiß, uns mit Wörtern verblüfft, die wir fast vergessen hatten oder gar nachschlagen müssen, und der auch für die deutsche Fassung einprägsame Fügungen findet, die haften bleiben. Ein eigenständiger Roman jenseits aller Moden und Trends, der viele Leser verdient - und in keiner deutschen Bestsellerliste auftaucht. Liegt es an der schwulen Liebesgeschichte? Der (angeblichen) Komplexität? Dem Umfang? Der Ignoranz der Kritiker, die ihn nicht besprechen? Der schlechten Werbung des Verlags? ...
Egal: "Im Meer, zwei Jungen" sei herzlich und vorbehaltlos empfohlen - die 700 Seiten sind so packend, dass man sie in zwei Tagen lesen kann ...

      "Geradeaus?"

      "Geradeaus wie ein Pfeil!"


(http://www.regionalinfo.de/)


Das letzte Lob soll dem Übersetzer gelten. Hans-Christian Oeser hat den sprachlich nicht ganz leichten Roman großartig übersetzt. Er hat für die irischen Slang-Ausdrücke adäquate deutsche Entsprechungen gefunden und auch die Neologismen O'Neills, also die Neuschöpfungen von Wörtern, kreativ ins Deutsche übertragen.


(Le Cairde, http://www.lecairde.de/Rezensionen/O'Neill_Zwei_Jungen.htm)



Sprachlich überbordet O’Neills Werk etwas. Da gibts so merkwürdige Dialoge wie: „‚Ein Wetter zum Eierlegen, Gott sei’s getrommelt.‘ ‚Bärig, dem Herrn sei Dank.‘“ Mit seinen seltsamen Dialogen hat der Autor seinem Übersetzer Hans-Christian Oeser [...] eine schwierige Aufgabe gestellt.


(Quelle unbekannt)


Mit steten Perspektivensprüngen und ganz aus diesen jeweiligen Blickwinkeln als „stream of consciousness“ erzählt. Vor allem aber mit einer bildreichen, metapherngewaltigen Sprache. Nur einmal, mit den Namen Mick und Mack, erlaubt sich O'Brien einen etwas platten Schnickschnack. Ansonsten fasziniert er den Leser mit einem hochartifiziellen, anspielungsreichen und melodischen Ton, der für den Übersetzer Hans-Christian Oeser immer wieder eine wahre Herausforderung gewesen sein muss. Wiederholt wurde das Werk daher schon mit James Joyces „Ulysses“ verglichen. Solch gewagte Vergleiche sollte man tunlichst vermeiden, dafür ist der „Ulysses“, dann doch ein allzu singuläres Meisterwerk, das Jahrhundertwerk des letzten Säkulums. In der Sprachwucht, in der epischen Aufblätterung ganzer Universen aber eifert ihm sein Landsmann merklich nach. Das Buch – der Originaltitel „At Swim Two Boys“ spielt auf Flann O'Briens „At Swims Two Birds“ an – ist ein übersehenes Meisterwerk. Seine Präsentation fiel einst just auf den 11. September 2001 und ging infolgedessen erst einmal unter. Der Luchterhand Literaturverlag hat ihn vor einigen Jahren erstmals auf Deutsch herausgebracht, stieß aber trotz guter Kritiken auf wenig Resonanz. Jetzt hat der Bruno Gmünder Verlag das Opus Magnum noch einmal aufgelegt. Zum aktuellen Gedenken an den Ersten Weltkrieg scheint die Neuauflage ganz gut zu passen. Man kann nur hoffen, dass sie nicht im Wust all der Neuerscheinungen einmal mehr untergeht. Es wäre zu schade.


(Peter Zander, Berliner Morgenpost, 8. August 2014)

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