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Hans-Christian Oeser (Hrsg.): Irland. Ein politisches Reisebuch. Hamburg: VSA-Verlag, 1987.

 

Nichts ändert sich im heutigen Irland rascher als die Vergangenheit, und kaum eine tiefere Faszination kann ich mich für den Touristen vorstellen, als im Spiegel des Anderen für das Eigene aufmerksam zu werden.

      Ein Buch, das dies leisten könnte, ist "Irland. Ein politisches Reisebuch". In knappen, durchweg lesbaren Essays liefert dieses Buch den notwendigen Hintergrund sozialer, politischer und kultureller Informationen für jeden Irland-Interessierten.

(Bernd Robben, die tageszeitung, 26. Juni 1987)

Die knapp 40 Autoren (zu einem Drittel Iren, zu zwei Dritteln Deutsche) sind mehrheitlich Studenten und junge Lehrer, die um ihre Aufgabe, auf jeweils fünf Seiten einen Aspekt der irischen Gesellschaft zu umreißen, nicht zu beneiden sind. Die Breite des Themenangebots ist atemberaubend, zumal was die Republik Irland betrifft. Neben Wirtschaft, Gesellschaft und Politik geht es da um Sport, Küche, Transport und Moral. Besonders engagiert und lebendig sind die Abschnitte zur Lyrik (Eoin Bourke) und zum irischen Theater (Andreas Mathuis). Gemeinsam ist den meisten Autor(inn)en, daß sie das Schwergewicht auf Irlands Schattenseiten legen. Der unausgesprochene Maßstab ist dabei oftmals der bundesrepublikanische Alltag, die Gewichtung wird Irland häufig nicht gerecht. So zum Beispiel, wenn Fragen des Umweltschutzes, der gesunden Ernährung und der Linksparteien dieselbe Aufmerksamkeit erhalten, die sie in der Bundesrepublik verdienen. Während der erste, der Republik Irland gewidmete Teil bei aller Kritik farbig und abwechslungsreich ist, macht der historische Teil einen eher dürren Eindruck. Als erstes eilt der wohl stark verkürzte Professor Michael Richter auf anderthalb Seiten durch 8200 Jahre irischer Geschichte, anschließend beschäftigt sich der Dubliner Lehrer Roland Evans lustlos und ohne eigene Akzente mit den restlichen Jahrhunderten. Um so beherzter greift Herausgeber Oeser selbst in die Saiten der irischen Harfe, um die Situation in Nordirland zu schildern. Von der eingangs versprochenen Versachlichung bleibt da kaum mehr etwas übrig, derart offen und unverhohlen ergreifen Oeser und seine beiden irischen Ko-Autoren Partei für die Irisch-Republikanische Armee und ihren politischen Flügel Sinn Féin. Dennoch wird insgesamt ein ausgewogenes Bild gezeichnet, wenn es als Impfstoff gegen die heile Prospektwelt der Fremdenverkehrswerbung verwendet wird.

(Südkurier, 10. Oktober 1987)

Der VSA-Verlag legt hier ein Buch vor, das lange nötig war: ein Irlandbuch, das mehr als subjektive Schwärmerei mit mehr oder minder dürftigen eingestreuten Fakten bietet.

(gh, Michel, 10/1987)

An "konventionellen" Reiseführern über Irland herrscht kein Mangel (...) doch der von vorwiegend irischen Autoren verfaßte Band will daneben die politischen Zusammenhänge deutlich machen. Es entsteht ein kritisches Bild des gesellschaftlichen Lebens, der Wirtschaftsprobleme, der Rolle der Kirche und der politischen Parteien. Neben Theater, Literatur und Kunst nimmt die gegenwärtige Lage (IRA, bewaffneter Widerstand) breiten Raum ein. Am Schluß relativ knappe Landschaftsbeschreibungen sowie praktische Tips und Adressen. Für politisch Interessierte (nicht nur zur Reisevorbereitung) geeignet.

 

(Erdmann Steinmetz, ekz-Informationsdienst, 31/1987)


In diesem Irland gibt es keine Feen und Zwerge, kaum grüne Wiesen und nur wenig wilde Romantik. Rund dreißig 'Einheimische, Zugereiste und Ausgewanderte' (zu einem Drittel Iren, zu zwei Dritteln Deutsche) zeichnen in ihren Beiträgen ein vielseitiges, buntes Bild der Republik Irland und ein revolutionäres Programm für Nordirland.  Herausgeber Hans-Christian Oeser verspricht in seinem neuen Irland. Ein politisches Reisebuch (VSA-Verlag, Hamburg 1987; 317 Seiten, 26,80 Mark) eine 'Versachlichung' des Irland-Bildes. Diese löbliche Absicht führt allerdings in vielen Bereichen dazu, daß die Schattenseiten des jungen Staatswesens in den Vordergrund gerückt werden, weil Irland an den Werten des restlichen Westeuropas gemessen wird. Immerhin erfährt der Leser eine Fülle wissenswerter Einzelheiten, nicht bloß über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, sondern auch über die Stellung der irischen Frau zwischen Cathleen N'Houlihan und der Heiligen Jungfrau - zum Beispiel. Besonders ansprechend sind die Abschnitte über Lyrik und Theater.

       Der umfassende Informationsanspruch bezüglich der Republik Irland weicht einäugiger Propaganda, sobald von Nordirland die Rede ist. Offen übernimmt Herausgeber Oeser die Ansichten der IRA und ihres politischen Flügels Sinn Fein. Dabei entsteht ein ideologiegetränktes Bild, das mit dem nordirischen Alltag wenig gemein hat.

      Allein wegen des überaus vielfältigen Teils über die Republik und der Anmerkungen über einzelne Reiseziele (äußerst nützlich sind die Angaben über die Irland vorgelagerten kleinen Inseln) lohnt sich die Lektüre, zumal als Ergänzung zu den traditionellen Büchern und Broschüren.


(Martin Alioth, Die Zeit, 22. Januar 1988)

28 kompetente Autoren schildern in knapper und lebendiger Weise das Leben auf der Insel, so wie es heute ist und wie es sich entwickelte von den Kelten angefangen über die Eroberung durch England und den Unabhängigkeitskrieg bis zum EG-Beitritt. (...) Alles ist treffend und unterhaltsam dargestellt. Eine sehr differenzierte und und von allen Seiten beleuchtete Betrachtung erfährt der Norden. (...) Eine lebendige und ausgezeichnete Darstellung der Insel und ihrer Bewohner für alle, die sich für dieses Land interessieren und eine Reise dorthin planen. Kein Reiseführer.

(Ingeborg Villwock, Der evangelische Buchberater, 2/1988)

Mit diesem politischen Reiseführer wird der/die Irlandreisende wirklich umfassend informiert.

(MOZ, Januar 1988)

Mit diesem im VSA-Verlag erschienenen Buch sind wißbegierige und kritische Reisende ausgezeichnet bedient. Es dürfte im Moment wohl kein anderes Reisebuch geben, das diesem an Informationsgehalt und Vielfalt der behandelten Themen gleichkommt. Durch die Aufgliederung in über 50 kurze, jeweils für sich rezipierbare Artikel, von verschiedenen irischen und deutschen AutorInnen verfaßt, ermöglicht es eine schnelle Information zu einzelnen Aspekten, ohne daß es aufgrund der Kürze nur noch zur Verbreitung von Klischees käme. Im Gegenteil, Klischees werden in verschiedenen der Artikel kenntnisreich und kritisch demontiert, so etwa das Bild eines in sich kohärenten keltischen Kulturursprungs oder das Reiseprospektbild einer völlig unversehrten Natur.

(J. E., Hard Times, 35/1988)

In knappen Essays liefert dieses Buch den notwendigen Hintergrund sozialer, politischer und kultureller Informationen. Auch die irische Geschichte wird berücksichtigt.

(Heidenheimer Zeitung, 4. Januar 1990)

Wer meint, mit dem Erwerb des Buches zwei Fliegen mit einer Klappe erledigen zu können, wird sich getäuscht sehen. Den traditionellen Reiseführer ersetzt Oesers Buch nicht. Indes: das wohl beste politische Reisebuch in Sachen Irland, das mir jemals in die Hände fiel. Übertrifft das Irland-Buch der ro-ro-ro-Reihe "Anders reisen", das mit einem ähnlichen Anspruch verfaßt wurde, um Längen.

      Oesers Buch enthält eine ganze Reihe von Aufsätzen, die durch Sorgfalt, Kenntnisreichtum und Einschätzungsfähigkeit gekennzeichnet und von daher nicht nur für den "Erstreisenden" von Interesse sind. In seiner Kompaktheit taugt das Buch vielmehr auch als Nachschlagewerk, das über den Besuch der "grünen Insel" hinaus Verwendung finden kann. Kaum ein Aspekt irischer Gegenwart, auf den Oesers Autoren in kleineren, nichtsdestotrotz inhaltsreichen Aufätzen nicht eingehen.

      (...)

      Bleibt zu hoffen, daß dieses politische Reisebuch möglichst viele Leser findet. Verdient hat es dieser kompakte und vorzügliche Beitrag zum Abbau hiesiger Informationsdefizite allemal. Eine Pflichtlektüre für jeden, der der "grünen Insel" seine Aufwartung machen will und dabei nicht nur an Picheln denkt.

(Dietrich Schulze-Marmeling, Irland-Informationen)

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