William Trevor: Liebe und Sommer. Roman. Aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser. Hamburg: Hoffmann & Campe, 2009.



Knappe Sätze, die jedes Bild bedächtig ausmalen, zeichnen seine Prosa aus, Sätze, die unscheinbar wirken und von einer Tiefe sind, die nicht leicht in eine andere Sprache zu bringen ist. Dem Übersetzer Hans-Christian Oeser ist das geglückt, und auch deshalb sind viele Passagen in “Liebe und Sommer” von überwältigend klarer Schönheit. Selten ist von schleichender Trauer so wahrhaftig erzählt worden, und die Kunst Trevors besteht darin, dass diese Trauer beim Leser am Ende in eine beseligende Gelassenheit umschlägt. Welchen Schriftstellern gelingt das schon?


(Rainer Moritz, Die Welt, 21. September 2009)


Hans-Christian Oeser hat Trevors luzide Sprache vorzüglich ins Deutsche gebracht. Kurze Sätze, die ein Panorama der Gefühle entwerfen und gleichzeitig nur andeuten, was sich hinter den (klein)bürgerlichen Fassaden abspielt - das macht unter anderem die stilistische Brillanz Trevors aus. Trotz seiner vielen Auszeichnungen, die er in Irland und in England erhalten hat, gilt er hierzulande immer noch als Geheimtipp. Das sollte sich schleunigst ändern.


(Rainer Moritz, Deutschlandradio Kultur, 10. Dezember 2009)    


„Liebe und Sommer“ ist ein stimmungsträchtiges, impressionistisches Werk, voller Schönheiten und leisem Bedauern. Weise, könnte man sagen: weil das Erzählte keinem moralischen Urteil unterworfen wird. Es gibt Gründe und Erklärungen für das, was Menschen tun. Und die führt William Trevor an, ganz ohne Wertung. Man liest und fühlt sich reifer werden. Was einen leider immer wieder aus diesem Reifeprozess reißt, ist die stellenweise arg holprige Übersetzung von Hans-Christian Oeser. Hätte er nicht von so pompösen Formulierungen wie „die forschende Weisheit der Zeit“ lassen können? Was soll man sich darunter überhaupt vorstellen? Oft nimmt man, wegen ihrer Umständlichkeit, vorwiegend die Konstruktion der Sätze wahr, anstatt des Sinns, den sie befördern. Klamm mutet das an, wie mit steifen Fingern gebastelt, wenn es heißt: „Mit der Überlegung, dass der Einfluß und die Hartnäckigkeit seiner Mutter nicht ganz aus dem Haus gewichen waren, hatte das Gespäch für Joseph Paul etwas von seiner Langeweile verloren...“ Oder: „Ihre Grausamkeit gegenüber der Toten war nichts weiter als ein Zeremoniell ihrer Bewahrung.“
Man kann diese Übersetzung als Sachbeschädigung betrachten. Das wäre für einen Roman, in dem die Zerstörung eine so große Rolle spielt, ein passendes Vergehen.


(Ingrid Mylo, Badische Zeitung, 16. Januar 2010)

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